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Das Wort Eurythmie stammt aus dem Griechischen und kann mit „schöner“ oder „wahrer Rhythmus“ übersetzt werden. Sie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, entwickelt.
Eurythmie ist „bewegtes Sprechen“ (Lauteurythmie) und „bewegtes Singen“ (Toneurythmie). Sie bringt durch Bewegung Gesetzmäßigkeiten zum Ausdruck, die in Sprache und Musik wirksam sind und spiegelt damit die Ordnungen und Bildeprozesse des menschlichen Organismus und der Natur wider. Wenn der Mensch spricht oder singt, leben sich diese Bewegungen physisch nur im Kehlkopf und den angrenzenden Sprachorganen aus. In der Eurythmie wird versucht, sie äußerlich sichtbar zu machen.
Hierzu werden verschiedene Gestaltungsmittel, wie Gesten, Farben und Raumformen eingesetzt. Vokale, Konsonanten, Töne, sowie alle anderen musikalischen und sprachlichen Grundelemente werden nach vorgegebenen Formen in Bewegung umgesetzt. Diese Bewegung fordert die Polarität als Gestaltungsmittel. Aus dem Zusammenspiel der Kraft und der Gegenkraft entsteht die lebendige Gebärde.
„Die Sprache ist ja aus dem ganzen menschlichen Wesen heraus geboren. Nehmen wir irgendeinen Vokal. Er drückt immer aus dasjenige, was die Seele im Umfang ihres Fühlens erlebt. Entweder der Mensch will dasjenige ausdrücken, was im Staunen lebt: A, oder er will dasjenige ausdrücken, was eine Art Sich-Halten gegen einen Widerstand offenbart: E, oder er will ausdrücken seine Selbstbehauptung, sein Sich-Hineinstellen in die Welt: I. Er will ausdrücken sein Anschmiegen an etwas: EI. Alles Vokalische drückt ursprünglich ein seelisches Fühlen aus...Und wie das bei den Vokalen in der Sprache ist, so ist es bei den Tönen im Musikalischen: Der Ton drückt das Leben der Seele aus....
Bei den Konsonanten finden wir, dass sie Nachahmungen desjenigen sind, was äußerlich um uns herum ist. Der Vokal stammt aus dem Inneren, will das Innere gewissermaßen die volle Seele nach außen ergießen. Der Konsonant stammt aus dem Erfassen der Dinge; wie wir sie umgreifen, auch nur mit den Augen umgreifen, das wird in Konsonanten hinein geformt. Der Konsonant malt, zeichnet die äußere Form der Dinge.....“ (R.Steiner)
Die Eurythmie wird als Bühnenkunst, in der Pädagogik (Waldorfschulen) und als Heileurythmie in der anthroposophischen Medizin praktiziert.
Sie kann einzeln, in Gruppen und in jedem Alter geübt werden. Ihre wohltuende, den ganzen Menschen erfrischende und harmonisierende Wirkung zeigt sich jedem, der sie übt. Dabei kann sie körperliche und seelische Verspannungen lösen, Erschöpfung entgegenwirken und innere Regsamkeit fördern. Besonders hilfreich wirkt sie in der kindlichen Entwicklung, indem sie eine gesunde und kraftvoll körperliche seelische Ausreifung des Menschen unterstützt.
Sie wird an Eurythmie-Schulen in einer vierjährigen Grundausbildung gelehrt. In Deutschland besteht seit dem Jahr 2006 auf der Alanus-Hochschule ein offizieller, international anerkannter akademischer Lehrstuhl für Eurythmie.
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